Jagdhunde



Klicken zum VergrößernEine Bemerkung vorab: Sie sind der Mensch, der oder die Ihren Hund am besten kennt. Wenn Sie einen jagenden Hund haben, holen Sie sich Tipps, aber lassen Sie sich nicht reinreden.

Das scheint Ihnen eine merkwürdige Einleitung für einen Ratgeber zu sein?

Na ja, wie man’s nimmt. Wenn ich genau darüber nachdenke, haben wir von unserer Hündin mehr gelernt als von allen Hundetrainern, die wir kennenlernen durften bzw. mussten, zusammen. Unser kleiner, lebhafter Jagdhund-Mischling (eine echte „Majorera“, also ein Fuerteventura-Eigengewächs) kam als tapsiger Welpe zu uns. Drei Monate später war sie der Schrecken aller Kleintiere der Umgebung und stellt uns als Hunde-unerfahrene Zweibeiner vor eine – wie es uns damals schien – unlösbare Aufgabe. Schnell waren wir uns einig: Dieser Hund wird wahrscheinlich den Rest seines Lebens an der Leine bleiben. Trotzdem wollten wir nicht sofort aufgeben und haben uns nach Alternativen umgesehen. Folgender Text beschreibt unsere Erfahrungen und ist ein subjektiver Blick auf die Arbeit und den Umgang mit jagenden Hunden – und auch mit Hundetrainern und anderen Zweibeinern.

Jagender Hund oder Jagdhund?
Jeder Hund hat Jagdtrieb, allerdings unterschiedlich ausgeprägt: Bei einigen wenigen Hunden ist das Jagen ein Zeichen von Langeweile – bei entsprechender Beschäftigung läßt das Jagdverhalten nach oder verschwindet ganz. Auch Stress kann Jagdverhalten auslösen: Ein Hund, der nur dann jagt, wenn er mit anderen Hunden zusammen spazieren geht, findet die tierische Gesellschaft vielleicht nicht ganz so toll, wie Herrchen oder Frauchen vermuten. Eine andere Gruppe von Hunden jagt ganz einfach, um zu überleben: Wenn Ihr Hund Zeit seines Lebens auf sich selbst gestellt war, musste er sich sein Futter vermutlich unter anderem erjagen. Er hat gelernt, dass nicht zu jagen seinen Tod bedeuten kann. Aber die meisten Hunde jagen schlicht und einfach nur aus einem Grund: Weil Hunde nun mal jagen.

Klicken zum VergrößernViele Hunde auf Fuerteventura gehören einer Jagdgebrauchshundrasse an bzw. sind Mischlinge mit Jagdhund-Vorfahren. Jede Jagdhundrasse verfügt über spezielle Eigenschaften. Podencos sind schnelle und sprunggewaltige Kaninchenjäger, die sowohl als Einzelhund als auch in der Meute agieren können. Sie jagen mit weichem Maul, bringen also die Beute lebend zu Ihrem Besitzer. Pointer verfügen über eine ausgezeichnete Nase und sind Vorstehhunde, d.h. sie zeigen Wild durch eine regungslose Haltung (oft mit erhobenem Vorderlauf) an. Terrier werden speziell für die Bodenjagd gezüchtet, bei der die Tiere beispielsweise in einen Fuchsbau oder ein Dornengestrüpp geschickt werden, um das Wild herauszutreiben.

Wie kann ich sichergehen, dass in meinem Hund kein Jäger steckt?
Kurz gesagt: Gar nicht. Sie können (und sollten) sich vor der endgültigen Entscheidung für einen neuen Hausgenossen natürlich über verschiedene Rassen informieren. Das Problem dabei ist, dass solche Informationen fast immer von Liebhabern der jeweiligen Rasse stammen und daher nicht unbedingt geeignet sind, einen objektiven Eindruck vom Zusammenleben mit den Tieren zu vermitteln. Gelegentlich werden Sie auch wahre „Horrorgeschichten“ über bestimmte Hunderassen hören – auch das sind Informationen, auf die man gut verzichten kann. Lebt der Hund bereits in einer deutschen Pflegefamilie, können Sie sich an das Pflegefrauchen oder –herrchen wenden, um dort mehr Informationen über das Tier einzuholen. Haben Sie sich allerdings für einen Welpen oder einen Hund, der erst seit kurzem in der Obhut der Tierhilfe Fuerteventura ist, entschieden, ist es schwierig bis unmöglich, Voraussagen über das Jagdverhalten zu treffen.

Anti-Jagd-Training – ja oder nein?
Klicken zum VergrößernWenn Sie Ihr Leben mit einem jagenden Hund teilen, stellt sich Ihnen wahrscheinlich irgendwann die Frage, ob Sie in irgendeiner Art und Weise ein spezielles Training mit Ihrem Hund angehen wollen. Die Gründe dafür sind vielfältig: Vielleicht sind Sie frustriert, weil der Dackel von gegenüber beim Spazierengehen immer brav hinter Herrchen hertrottet, während Sie jeden Nachmittag mit strapazierten Stimmbändern nach Hause kommen („Hier! HIERHIN! KOMMST DU HIERHIN!“). Vielleicht geht Ihnen der Anblick getöteter Kaninchen ans Herz? Oder Sie sind der Meinung, dass die Kaninchen in Ihrer Gegend den ein oder anderen Verlust verkraften können, möchten aber nicht, dass Ihr Hund Ihnen eines Tages schwanzwedelnd Nachbars Katze vor die Füße legt? Außerdem möchten Sie vermeiden, dass Ihr Hund seine Beute über die nahegelegene Hauptverkehrsstraße hetzt? Aus welchem Grund auch immer Sie beschließen, mit Ihrem Hund ein Anti-Jagd-Training zu beginnen – bitte behalten Sie eins immer im Hinterkopf:
Ihr Hund hat kein Problem - Sie haben ein Problem damit, dass Ihr Hund jagt.
Sie haben keinen schwierigen Hund, sondern ein einen, der sich völlig normal verhält.

Folgende mehr oder weniger gut gemeinten Ratschläge werden Ihnen vielleicht auch schon untergekommen sein – am besten, Sie schalten in solchen Fällen die Ohren auf Durchzug:

 „Wenn der Hund merkt, dass er hier regelmäßig Futter bekommt, wird er das Jagen schon von selbst einstellen.“
Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wird er das nicht. Jagen gehört zu den selbstbelohnenden Verhaltensweisen: Das Hetzen an sich löst beim Hund bereits ein „Glücksgefühl“ aus.

„Ein guter Hundetrainer wird den Jagdtrieb schon rauskriegen.“
Möglicherweise werden Sie auf Menschen stoßen, die Ihnen weismachen wollen, man könne und müsse Ihrem Hund das Jagen „austreiben“. Solche Sprüche kommen nicht nur von Freizeit-Hundetrainern, sondern auch von Menschen, die ihr Geld damit verdienen. Ich habe von einer Hundetrainerin, die sich auf Anti-Jagd-Training spezialisiert hat, gehört, sie habe ihrem Hund früher „mit einem Knüppel auf den Kopp gehauen“, damit der von seiner Beute abließ (was nicht als Ruhrgebiets-typische Übertreibung, sondern leider todernst gemeint war). Der Bogen, den Sie um solche Menschen machen sollten, kann gar nicht groß genug sein. Ihr Hund ist nicht von Dämonen besessen, sondern verhält sich einfach nur wie ein Hund. „Den Jagdtrieb austreiben“ bedeutet bei solchen Menschen nichts anderes als: „den Hund brechen“.

„Ein Hund muss immer abrufbar sein, auch dann, wenn er hetzt.“
Beim Hetzen befindet sich der Hund in einer starken Triebsituation - ein hetzender Hund ist praktisch nicht abrufbar. Nicht, weil der Hund Sie ignoriert, Ihrem Ruf gerade nicht folgen möchte und auf stur schaltet – nein, er hört Sie ganz einfach nicht. Vielleicht hat man Ihnen schon von Vierbeinern berichtet, die sich die unmöglichsten Verletzungen zugezogen haben, als sie ihre Beute durch Dornengestrüpp und Stacheldraht verfolgten. Wie wahrscheinlich ist es, dass ein noch so böses "STRUPPI! HIERHIN!!" Ihren Hund zum Umkehren bewegt, wenn ihn selbst Schmerzen nicht aufhalten?

Anti-Jagd-Training
Für gewöhlich zeigen sich erste jagdliche Ambitionen bei Hunden zwischen einem halben und einem Jahr. Wenn Ihr Hund in diesem Alter ist und beginnt, ein spürbares Interesse für potentielle Beute zu entwickeln (Katzen werden nicht mehr zum Spielen aufgefordert, sondern „belauert“, der Hund steht vor, die Nase ist beim Spazierengehen durchgängig auf dem Boden oder steckt in jedem Gebüsch, beim Anblick von Kleintieren wird gejault und an der Leine gezogen…), gibt es nur eins – erst mal komplett ab an die Leine. Lassen Sie sich nicht davon verleiten, wie lieb Ihr Hund noch vor kurzem ohne Leine neben Ihnen hergelaufen ist – das tun Welpen nun mal. Geben Sie Ihrem Hund nicht die Möglichkeit, Beute zu reißen, wenn Sie es vermeiden können.

Die Schleppleine
Eine großartige Hilfe für die Arbeit mit dem Hund ist die Schlepp- oder Laufleine, vor allem wenn Ihre Fellnase zu den lauffreudigen Hunden gehört, die beim Ableinen erst einmal 50 Meter vorpreschen. Ein Hund, der 5 Meter von Ihnen entfernt ist, ist bedeutend einfacher zu beeinflussen. Außerdem hat die Schleppleine weitere entscheidende Vorteile: An der kurzen Leine lässt sich nur schlecht trainieren. Die lange Leine erlaubt das Üben bspw. von Rückruf-Kommandos oder Übungen auf Entfernung. Und Sie werden sich erheblich sicherer fühlen, weil Sie Ihren Hund auch aus größerer Distanz noch beeinflussen können. Natürlich muss der Hund für die Arbeit mit der Schleppleine ein Geschirr tragen – Halsbänder sind hier absolut tabu. Bei der Leine selbst sollten Sie darauf achten, dass Länge und Verarbeitung Größe und Gewicht Ihres Hundes angepasst sind: Bei einem Jack Russell reicht eine einfache Kordel, während sich bei größeren und schwereren Hunden eine stabile Leine, am besten mit einer gepolsterten oder ledernen Handschlaufe, empfiehlt. Spätestens wenn Ihre 30 Kilo schwere Fellnase das erste Mal mit vollem Anlauf in die neu erworbene Leine im Wäscheleinen-Format rennt, werden Sie sich wünschen, die andere gekauft zu haben.

Zunächst einmal geht es darum, den Hund an die Länge der Leine, d.h. an einen bestimmten Radius zu gewöhnen. Generell gilt, dass an der Schleppleine nicht gezogen werden sollte. D.h. der Hund muss abgerufen werden, bevor er in die Leine läuft. Anfangs trainiert man am besten in einer möglichst ablenkungsarmen Umgebung – das kann ein Feld, eine Wiese oder ein Hundeplatz in der Umgebung sein; der eigene Garten ist dazu definitiv nicht geeignet. Das Rückruf-Kommando sollte vorher bereits ohne Leine in der Wohnung oder im Garten ausreichend geübt worden sein. Gehen Sie entspannt herum, und zwar ohne Ihren Hund anzusprechen. Erst wenn Sie sehen, dass der Hund kurz davor ist, in die Leine zu laufen, rufen Sie ihn zu sich. Reagiert er, wird er entsprechend belohnt – das Leckerchen für den Rückruf sollte am Anfang etwas ganz besonderes sein. Gelegentlich wird auch empfohlen, den Hund nur aus dem Futterbeutel und nur beim Training zu füttern, was meiner Meinung nach nicht unbedingt nötig ist: Zum einen muss man sicherstellen, dass der Hund wirklich ausschließlich während des Trainings gefüttert wird, was schwierig sein kann, wenn mehrere Personen mit dem Hund spazierengehen, aber nicht unbedingt mit ihm arbeiten, oder wenn Sie berufstätig sind und das Tier tagsüber in andere Obhut geben. Zum anderen wird es unter Umständen problematisch, einen Hund, der an Handfütterung gewöhnt ist, wieder auf „Futter aus dem Napf“ umzustellen.

Die ersten Tage mit der Schleppleine können für Mensch (und Hund) ziemlich frustrierend sein: Die Handhabung der Leine ist ungewohnt, Ihre Fellnase besteht darauf, die Leine mit schöner Regelmäßigkeit um den einzigen Baum im Umkreis von dreihundert Metern zu wickeln, das Herrchen vom Dackel von gegenüber begrüßt Sie mit „Mensch, Du hast aber heute ´ne lange Leine!“.  Lassen Sie sich davon nicht entmutigen – es wird tatsächlich besser! Mit der Zeit werden Sie merken, dass Ihnen nicht nur der Umgang mit der Schleppleine in Fleisch und Blut übergegangen ist, sondern vor allem, dass das Spazierengehen mit Ihrem Hund viel schöner und entspannter geworden ist.

Um sich und Ihren Hund nicht zu langweilen, sollten Sie die Schleppleine so schnell wie möglich auch beim „normalen“ Spazierengehen einsetzen – selbst wenn der Rückruf noch nicht so toll funktioniert. Am besten suchen Sie sich am Anfang eine feste Strecke, die Sie regelmäßig mit Ihrem Hund an der Schleppleine ablaufen: Ihr Hund wird etwas weniger abgelenkt sein, wenn er die Umgebung gut kennt. Auch beim Spazierengehen gilt: Den Hund immer zurückrufen, bevor er in die Leine läuft. Dabei können Sie auch gelegentlich den „Notfall“ üben: Wenn der Hund zu Ihnen zurückkommt, beugen Sie sich zu ihm herunter und halten ihn kurz am Geschirr fest. Wenn mal ein Kaninchen an Ihnen vorbeiflitzt und Sie ihren Hund schnell sichern müssen, wird es schwierig, wenn er vor Ihnen zurückzuckt.

Auch andere Dinge sollten sinnvollerweise an der Schleppleine geübt werden.
„Sitz“, „Platz“ und „Bleib“ beherrscht Ihr Hund zu Hause möglicherweise schon aus dem Eff-Eff – an der Schleppleine sieht die Sache oft etwas anders aus: Hier soll er das Ganze auf Entfernung ausführen. Wenn Ihr Vierbeiner vor der Beute im Gebüsch absitzt, haben Sie eine reelle Chance, es nicht zu einer Hetzjagd kommen zu lassen. Wenn Ihr Hund beim Üben jedesmal treu und brav zu Ihnen zurückkommt, um sich erst dann neben Sie zu setzen, verkürzen Sie im Training zunächst einmal einmal die Entfernung.

Bei Hunden, die „das andere Ende der Leine“ draußen überhaupt nicht wahrnehmen, kann man außerdem den Blickkontakt üben. Jedesmal, wenn der Hund Blickkontakt sucht, wird er gelobt und belohnt. Dabei muss das Tier Sie nicht direkt ansehen: Da Hunde ein anderes Gesichtfeld als Menschen haben, reicht es schon, wenn er sich kurz nach Ihnen umschaut.

Mit der Zeit werden Sie merken, dass Ihre Fellnase den Radius von selbst einhält, auch auf 10 Meter Entfernung „Sitz macht“ und immer häufiger den Blickkontakt zu Ihnen sucht. Dann ist es Zeit, das Revier zu erweitern. Bisher haben Sie sich vermutlich auf Wege beschränkt, bei denen es eher unwahrscheinlich war, auf potentielle Beute zu treffen – jetzt sollten Sie genau das Gegenteil tun: Suchen Sie sich eine Strecke, auf der es vor Kleintieren nur so wimmelt und trainieren Sie dort. Wenn Sie merken, dass sich Ihr Hund offensichtlich für ein bestimmtes Gebüsch interessiert  - lassen Sie ihn absitzen. Wenn ein paar Meter vor Ihnen mit aller Seelenruhe ein Kaninchen über den Weg hoppelt - lassen Sie ihn absitzen.

Seien Sie nicht enttäuscht, wenn Ihr Hund, der gerade noch lieb neben Ihnen lief, plötzlich aus dem Stand einem fliehenden Tier hinterher sprintet: Wie oben erwähnt ist der Hetztrieb praktisch nicht zu kontrollieren.

Die Schleppleine ausschleichen
Die Schleppleine ist zwar ein wirklich gutes Hilfsmittel, aber eben nur ein Hilfsmittel, denn eigentlich soll Ihr Hund ja möglichst oft ohne Leine laufen. D.h. irgendwann sollten Sie damit beginnen, die Schleppleine wieder auszuschleichen. Das kann einige Überwindung kosten, weil man sich schnell an die „Sicherheit“ der Leine gewöhnt – vor allem, wenn man sich noch gut daran erinnern kann, wie man vor einiger Zeit seinem leinenlosen Jäger hinterherlaufen musste.

Während des Schleppleinen-Trainings haben Sie sich mit Sicherheit angewöhnt, Ihren Hund und die Umgebung genau zu beobachten. Wenn Sie jetzt eine Situation erkennen, in der offensichtlich alles „perfekt“ ist (Ihr Hund läuft neben Ihnen her und ist aufmerksam, das Gelände ist überschaubar, es sind keine Ablenkungen in der Nähe), lassen Sie die Leine (und sich ;-)) einfach mal fallen. Keine Sorge - das Schöne an einer Schleppleine ist, dass man sie nicht nur mit den Händen, sondern auch mit den Füßen benutzen kann: Zieht Ihr Hund merklich das Tempo an oder zeigt er plötzlich gesteigerte Aufmerksamkeit an seiner Umgebung, nehmen Sie einfach die Leine wieder auf oder treten gegebenenfalls darauf.

Der Zeitraum, in denen Sie die Leine schleifen lassen können, wird mit der Zeit immer länger werden. Wenn das Spazierengehen mit schleifender Leine gut funktioniert, suchen Sie sich wieder ein schwierigeres Revier aus. Wenn auch das gut funktioniert, machen Sie „Nägel mit Köpfen“ – schneiden Sie nach und nach immer wieder einen Meter der Leine ab. Diese Vorgehensweise hat psychologische Vorteile für Mensch und Hund, da Mensch immer noch ein gewisses Gefühl der Sicherheit hat und Hund sich weiter „an der langen Leine“ glaubt.

Strafe muss nicht sein
Gelegentlich hört man von anderen Hundebesitzern: „Musst Du als „Rudelchef“ dem Hund das Jagen nicht verbieten?“ „Warum bestrafst Du Deinen Hund nicht, wenn er jagt?“ Diese Leute akzeptieren Argumente wie „Jeder Hund hat Jagdtrieb“ oder „Hetzen ist eine nicht zu kontrollierende Triebsituation“ normalerweise nicht – Hund hat gefälligst nur Triebe zu haben, die Chef genehm sind. Solche Leute dürfen kurz über folgendes nachdenken:

Wer bereits Hunde hat oder hatte, weiß, wie ein Hund lernt, nämlich dass die Reaktion auf ein hündisches Verhalten unmittelbar erfolgen muss, damit das Tier eine Reaktion auch mit diesem Verhalten verknüpft. Wenn ein „Nein!“ auch nur Sekundenbruchteile zu spät kommt, ist der Hund mit seiner Nase und seinen Gedanken wahrscheinlich gerade bei völlig anderen Dingen. Außerdem braucht er ständige Wiederholungen, bis die Verknüpfung von Wort oder Gebärde und einem bestimmten Verhalten wirklich sitzt.

Wenn Sie einem Hund verbieten wollen, dass er jagt, müssen Sie also exakt den richtigen Zeitpunkt erwischen. Und welcher Zeitpunkt soll das sein? Jagen ist eine Kette von komplexen Verhaltensweisen. Gut, Sie könnten versuchen, den Hund dann zu beeinflussen, wenn er gerade eine Jagdsequenz beginnt – aber trauen Sie sich zu, zu unterscheiden, ob ein Hund, der in einen Busch stiert, gerade Beute belauert oder nur die Reste eines weggeworfenen Burgers wittert?

Vielleicht hat Ihr Hund bereits Beute gerissen – in diesem Moment ist Ihnen der Begriff „Strafe“ wahrscheinlich auch durch den Kopf gegangen. Doch selbst wenn Sie über die Reaktionsschnelligkeit eines Eishockey-Torwarts verfügen und die Strafe zum richtigen Zeitpunkt ausführen - was ist damit erreicht? Damit der Hund Ihre Reaktion mit seiner Handlung assoziiert, braucht es wie bereits erwähnt zahlreiche Wiederholungen. Hunderte toter Kleintiere würden den Weg Ihres Hundes pflastern, bevor die „Lektion“ auch nur ansatzweise Wirkung zeigt.

In einem solchen Fall sollte man stattdessen versuchen, nicht den Fehler oben erwähnter Hundetrainerin zu machen, die bei ihrer Reaktion weder die Erziehung noch das Wohl Ihres Hundes im Sinn hatte, sondern schlicht und einfach Ihren Frust loswerden wollte. Nehmen Sie stattdessen Ihren Hund an die kurze Leine und gehen geradewegs nach Hause (möglichst, ohne auf den Hund zu reagieren). Und denken Sie daran: Durch Strafen und Verbote hat sich noch kein Hund vom Jagen abhalten lassen.

Alternativen
Wenn Sie mit Ihrem Hund ein Anti-Jagd-Training beginnen, haben Sie sich vermutlich auch die Frage gestellt, was Sie von Ihrer Fellnase erwarten. Und? Zu welchem Schluss sind Sie gekommen? „Was für eine dämliche Frage“, werden Sie jetzt vermutlich denken. „Der Hund soll eben nicht jagen!“ Fällt Ihnen etwas auf? Sie wissen sehr genau, was Ihr Hund nicht tun soll. Doch was soll er stattdessen tun? Für ein Anti-Jagd-Training reicht es nicht, dem Hund das Jagen einfach nur „abzugewöhnen“ – er muss auch Alternativen zur Verfügung haben. Was das genau ist, hängt von Ihrem Hund (und nicht zuletzt von Ihnen) ab. Sie sind der Mensch, der Ihren Hund am besten kennt.

Überlegen Sie, was Ihr Hund gern mag und was Ihr zeitlicher Rahmen erlaubt. Wenn Sie jetzt die Frage „Was mag mein Hund?“ ohne zu Zögern mit „Jagen!“ beantwortet haben, soll heißen, wenn Ihr Hund einen sehr ausgeprägten Jagdtrieb hat und ansonsten nur schwer zu begeistern ist, lassen Sie ihn „kontrolliert jagen“: Viele Hunde buddeln gern. Podencos beispielsweise sind echte „Tiefbauer“. Erlauben Sie Ihrem Hund, nach Mäusen zu graben (ja, er darf wirklich nur, wenn Chef oder Chefin das erlauben) und lassen Sie ihn so ein Stück weit seinem Jagdtrieb nachgehen. Das kann auch eine sehr wirkungsvolle Belohnung beim Training sein. Doch vielleicht steckt in Ihrem Hund ja auch ein Agility-Fan oder ein begeisterter Nasenarbeiter: Es gibt genug Beschäftigungen, denen man auch als berufstätiges oder anderweitig eingespanntes Herrchen oder Frauchen mit seinem Vierbeiner nachgehen kann.

Einmal Jäger, immer Jäger?
Wenn Ihr Hund einen starken Jagdtrieb hat, wird in bestimmten Gebieten vermutlich immer „Leinenzwang“ angesagt sein. Doch auch wenn Sie mit Ihrem Hund noch so erfolgreich trainiert haben: Die Tage, an denen Sie gedankenverloren durch den Wald schlendern konnten, sind vorbei – es sei denn, Sie lassen den Hund zu Hause.

Warum dann das alles?

Unsere Entscheidung, das Training zu beginnnen, stand schnell fest: Wir möchten unserer Hündin ein schönes Leben bieten. Und dazu gehört unseres Erachtens nun mal auch – wo möglich - „Leinenfreiheit“. Die Vorstellung, dass aus unserer neugierigen, lebhaften und lauffreudigen Fellnase irgendwann ein neurotischer, übergewichtiger alter Hund werden könnte, der seine Umgebung immer nur im Radius von zwei Metern erkunden durfte - nur weil wir aus Bequemlichkeit darauf verzichtet haben, mit ihr zu arbeiten - war uns ein Greuel.

Mit der Zeit hat sich noch ein weiterer Grund dazugesellt: Es macht tatsächlich Spaß. Gerade wenn Sie längere Zeit mit Ihrem Hund an der kurzen Leine unterwegs waren, werden Sie das Training mit der Schleppleine richtiggehend genießen. Und nicht nur Sie: Auch Ihrem Hund wird es Freude machen.

Um abschließend eine andere Hundetrainerin, die mit der oben erwähnten Gott sei Dank nichts gemein hat, zu zitieren: „Möchten Sie lieber einen Hund, der einfach nur so nebenher läuft? Einen Hund, der immer brav hinter Ihnen hertrabt und 99 Prozent seines Lebens auf dem Sofa verbringt? Einen Hund, der so anspruchslos und unauffällig ist, dass Sie sich jeden Morgen aus Neue wundern müssen „Ja, stimmt, wir haben ja einen Hund!“. Oder möchten Sie einen Partner, der mit Ihnen durch dick und dünn geht und der immer an Ihrer Seite ist, gerade weil Sie sich soviel zusammen erarbeitet haben?“

Als sie diese Fragen stellte, war unsere Hündin gerade ein dreiviertel Jahr bei uns und hatte in dieser Zeit aufgrund unseres Fehlverhaltens vier Kaninchen gerissen und unzählige Mäuse gen Himmel geschickt. Damals hätten wir bedenkenlos mit „lieber einfach und anspruchslos“ geantwortet. Heute fällt mir jedesmal, wenn ich mit ihr ohne Leine oder mit schleifender Leine unterwegs bin, auf, wie großartig unser gemischtes Rudel das alles hinbekommen hat und dass ich keinen Tag davon missen möchte.

Vertrauen Sie mir: Ihnen wird es nicht anders gehen.

Allen, die mehr Informationen zum Thema „Anti-Jagd-Training“ suchen, möchte ich das Buch „Antijagdtraining: Wie man Hunde vom Jagen abhält“ von Pia Gröning und Ariane Ullrich, aus dem auch einige der Ratschläge in diesem Text stammen, ans Herz legen. Ein echtes Arbeitsbuch mit vielen unbezahlbaren Tipps und meiner Meinung nach eines der ganz wenigen wirklich guten Bücher zu diesem Thema.

Autor: Stephanie Hille

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