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Pocitas Geschichte

Es gibt Tage, die vergisst man nie: Der Tag, als Pocita zu uns kam, wird uns unvergesslich bleiben.

An einem sonnigen Herbstmorgen nahm Raoul - ein junger Mann aus dem kleinen Ort Tetir - auf dem Weg zu seinem Bus eine Abkürzung querfeldein. Er war spät dran und musste sich beeilen, um den Bus noch rechtzeitig zu erreichen, der ihn tagtäglich zu seiner Arbeit brachte.

Er hatte noch nie diese Abkürzung genommen, und wir alle sind heute froh, dass er es an diesem Tag tat, denn sein Weg führte ihn an einem verlassenen Haus mit einem tiefen Brunnen vorbei, wo er ein klägliches Jammern vernahm. Als sein Blick in den Brunnen fiel, traute er seinen Augen kaum. In 8 m Tiefe schaute ihn eine völlig verängstigte Pointer-hündin an, die verzweifelt um ihr Leben jammerte.  

Was hat die Hündin nur dazu bewogen, sich einem 8 Meter tiefen Brunnen zu nähern? War es der unsagbare Durst und Hunger, der sie trieb? Oder wurde sie gar hineingeworfen? Wir wissen es nicht! 

Raouls Anruf erreichte uns auf der Finca Esquinzo kurz nach 9.00 Uhr. Er war ganz aufgelöst, weil er keine Leiter fand, die lang genug war, um die Hündin selber aus dem ausgetrockneten Brunnen zu befreien. Seinen Bus hatte er natürlich schon längst verpasst, doch die Rettung der Hündin war ihm wichtiger als der Ärger mit seinem Arbeitgeber.

Eilig packten mein Mann Thomy und ich unsere lange Leiter auf den Lastwagen und fuhren los. Während der Fahrt informierten wir telefonisch die Polizei und den kanarischen Fernsehsender “TV-Canarias”. Raoul war sichtlich überrascht, als er die vielen Autos kommen sah, die kurze Zeit später auf das verlassene Grundstück fuhren, doch er war sehr dankbar, dass die nicht ungefährliche Rettungsaktion endlich beginnen konnte.

Am Brunnenrand lagen lose Steine, die abbröckelten, als wir vorsichtig die Leiter in den Brunnen runterließen. Pocita zog sich in die hinterste Ecke zurück und jammerte noch ängstlicher. Vorsichtig kletterte Thomy zu ihr hinab, gefolgt von einem Reporter und dem Kameramann mit Licht. Pocita hatte wirklich großes Glück, nicht nur weil Raoul sie gefunden hatte, sondern auch weil sie sich bei ihrem tiefen Sturz in den Brunnen, wie durch ein Wunder, nichts gebrochen hatte.

Außer Wasser und Nahrung fehlte Pocita - Gott sei Dank - nichts. In den Armen von Thomy ließ sie sich dankbar aus ihrem Verließ hinauf tragen. Endlich zurück in der Freiheit, banden wir ihr sofort ein Halsband um und leinten sie an, dann durfte sie ihren Durst stillen.

Wie lange Pocita in diesem Brunnen war, ist unklar, länger als 3 Tage hätte sie jedoch dort nicht mehr überlebt, denn dann wäre sie qualvoll verdurstet. Dass Pocita so mager war, hatte allerdings nichts mit ihrem Aufenthalt im Brunnen zu tun, denn die bedauernswerte Hündin muss schon längere Zeit nicht richtig ernährt worden sein.

Zum Glück hat Pocitas Geschichte ein Happy-End: Heute lebt sie in einer Familie in Deutschland und genießt selig die unzähligen, täglichen Streicheleinheiten. Ihrer Zeit auf der Insel trauert sie sicher nicht hinterher, obwohl es ihr in den Wochen, die sie auf der Finca verbrachte, gut ging. Die tägliche Nahrung und Wasser, vor allem mit Menschen zu leben, die ihre Liebe erwidern, ist sicher alles, was Pocita sich je für ihr Leben gewünscht hat.

Ob Pocita noch manchmal an das erste Gesicht denken muss, welches zu ihr in den Brunnen blickte?   Wir wissen es nicht, aber wir sind Raoul sehr dankbar, dass er die Rettung eines Lebens über seine täglichen Pflichten gestellt hat!

Auf diesem Weg möchten wir uns im Namen der Finca Esquinzo, OKAPI und der Tierhilfe Fuerteventura e.V. ganz herzlich bei all den lieben Menschen bedanken, die an Pocitas Rettung beteiligt waren und unsere Arbeit auf  Fuerteventura unterstützen.

Schön, dass es Euch gibt!

Autor: Andrea Wittwer und Anja Griesand
 

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