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Jollos Geschichte

Jollo wurde im Juni des Jahres 2000 in der Stadt Essen auf den Ruhrwiesen gefunden. Er war einfach an einem Baum festgebunden worden und sein Herrchen/Frauchen hatte ihn so seinem Schicksal überlassen.

Jollo verbrachte fast genau 9 Jahre im Tierheim und konnte in dieser Zeit nur einmal vermittelt werden, kam aber sehr schnell wieder zurück, da er im Haus nicht alleine bleiben kann. Seit dem 4. Juni 2009 lebt Jollo jetzt auf der Finca Esquinzo auf Fuerteventura und fühlt sich dort pudelwohl.

Wir Tierschützer kennen ja alle diese Geschichten von armen Tieren, die gerettet werden müssen und haben das schon tausend mal durch. Da gibt es eigentlich keine Neuigkeiten mehr, oder? Eigentlich ist die Geschichte von Jollo auch schnell erzählt: Er kam aus dem Tierheim Essen, lebt jetzt auf Fuerteventura und hat dort bestimmt noch ein paar schöne Tage. Wissen wir doch alles schon - das läuft ja nun mal so ab im Tierschutz: Ein armer Hund wird bei uns abgegeben oder läuft uns zu...
Und dann suchen wir halt nach einem schönen Plätzchen für ihn. Alles nix Neues. Oder doch?

So ganz „alltäglich“ ist Jollos Geschichte dann doch nicht, wenn man mal genauer hinschaut:
Erst mal ist er nicht einer von den vielen Hunden, die von Spanien nach Deutschland in ein besseres Zuhause gebracht werden, sondern bei ihm ging die Reise in die entgegengesetzte Richtung. Sieht so aus, als ob manche deutsche Mitbürger auch nicht immer viel besser mit ihren Hunden umgehen als die Spanier, oder? Wir sind immer schnell dabei zu sagen: „Mensch, wenn die Spanier mal endlich anfangen würden, ihre Hunde zu kastrieren, und wenn die nicht diese bescheuerte Jagdsaison hätten!“

Ich selbst habe ja auch erst gedacht: „Wieso bringen die denn jetzt einen Hund von Deutschland auf die Finca? Die haben doch eh viel zu viele Hunde in den Perreras. Was soll denn das jetzt?“ Na ja, ich bin eben auch schnell dabei mit meinen Vorurteilen. Wie der Zufall es aber wollte, war ich gerade auf der Finca Esquinzo, um dort Urlaub zu machen, als es plötzlich hieß: „Pass auf, wenn Du da an dem Zwinger vorbei gehst... Da ist gerade ein neuer Hund angekommen.“ Neugierig wie ich nun mal bin laufe ich natürlich gleich hin, und siehe da: Bei dem Hund muss man tatsächlich total vorsichtig sein. Wenn man dem nämlich zu nahe kommt - verliebt man sich sofort in ihn.

Man hat mir ja nicht gesagt, dass es sich um einen „Kampfhund“ handelt, also hocke ich mich ruckzuck in den Auslauf. Kurz darauf kommt mir eine schnüffelnde Nase entgegen, im Hintergrund wedelt freudig der Schwanz, und als ich ihm meine Hand entgegenstrecke, wird diese gleich abgeleckt und zum Streicheln gebracht. Zwei Minuten später kuschelt er sich an mich, als wenn er Jahre darauf gewartet hätte. Na klar – hat er ja auch.

Wie sich später herausstellt, sieht er nicht nur bildschön aus und hat ein tolles Fell, sondern hört auch noch auf Kommandos wie „Sitz“, „Platz“, „Bleib“. Ein Traum-Hund also. Mein Schreck ist groß, als ich nach 20 Minuten wieder aus dem Auslauf komme und man mir sagt: „Ja ja, das ist Jollo, der „Kampfhund“ aus Deutschland.“ „Huch!“ denke ich, „den wollte ich ja eigentlich gar nicht hier haben!“ Aber da winselt Jollo schon wieder und ich setze mich erneut zu ihm in den Auslauf, um noch ein bisschen mit ihm zu schmusen. Später am Abend denke ich noch mal darüber nach, wieso ich eigentlich so schnell mit meiner vorgefertigten Meinung „Hier brauchen die nicht auch noch einen Hund aus Deutschland.“ war. Nachdem ich etwas mehr über Jollos Vergangenheit erfahren habe – dass er als ganz junger Hund auf den Ruhrwiesen einfach ausgesetzt worden ist und dass er dann 9 Jahre im Tierheim verbracht hat, nur weil sich Menschen irgendein Gesetz ausgedacht haben, nach dem man Hunde in Kampf- und Nicht-Kampfhunde unterteilt... Schrecklich!

Seit ich Jollo persönlich kenne – und in den paar Tagen, die ich mit ihm verbracht habe, ist er mir total ans Herz gewachsen – kommt mir der Gedanke, er würde nicht auf die Finca gehören, richtig absurd vor. Ich bin so wütend auf uns Menschen, auf unsere oftmals nicht nachvollziehbaren Gesetze – Jollo ist so ein lieber Hund. Ich wünsche ihm von Herzen, dass er auf der Finca noch recht lange lebt und noch ein bisschen was von seinem kurzen Hundeleben hat. Dass so ein Hund so lange eingesperrt wird – ich kann es immer noch nicht begreifen. Wochen später, als ich schon wieder zu Hause in Deutschland war – und gerade auch jetzt, wenn ich diese Geschichte schreibe – muss ich immer wieder an Jollo denken und mir darüber Gedanken machen: Warum machen wir eigentlich, was wir machen? Warum betreiben wir eigentlich Tierschutz? Warum retten wir eigentlich Hunde? Und warum geraten wir trotz gemeinsamer Ziele manchmal untereinander in Streit, welcher Hund jetzt gerettet werden sollte?

Mir ist klar, dass ich mich noch so anstrengen kann – bei der riesigen Zahl von Hunden auf der ganzen Welt werden wir es nie schaffen, das Problem endgültig zu lösen. Also muss es doch einen anderen Grund geben, warum wir trotzdem immer wieder so einen armen geschundenen Hund aufnehmen und ihn aufpäppeln. Ich für mich habe den Grund in den Augen von Jollo gefunden - in solchen Momenten, wo er zu mir angelaufen kam und seinen Kampfhundkopf ganz sacht zwischen meine Beine drückte, um ein bisschen Geborgenheit zu bekommen. Da hatten sich alle Fragen erledigt, ob das nun richtig ist oder nicht, einen Hund von einem Land in ein anderes zu transportieren, oder was es sonst noch für Dinge gibt, über die wir Tierschützer uns oft nicht einig sind.

Vielleicht kann man sogar die Bibel zur Hilfe nehmen: Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst. Das passt doch hier auch sehr gut. Die unzähligen Hunde aus der Statistik, die es auf der Welt gibt, um die kann ich mich nicht kümmern und will das auch gar nicht. Aber der eine Hund, der auf dem Rastplatz angebunden ist, weil ihn sein Herrchen jetzt doch nicht mehr haben will, weil er ja nicht stubenrein ist, oder der eine Hund, der seit 9 Jahren im Tierheim eingesperrt ist, weil wir Menschen uns ein Gesetz ausgedacht haben... Wenn ich diesem einen Hund helfen kann, wenn er mir in meinem Leben begegnet, dann bin ich in dem Moment sein Nächster und dann bin ich gefragt. Da ist es auch egal, was die Statistik sagt. Jollo ist es mit Sicherheit egal, ob er in Deutschland oder in Spanien ein besseres Leben hat. Er freut sich einfach, endlich mal dieSonne zu sehen, frei herumlaufen zu können und er hatte riesigen Spaß, als er im Wasserteich baden durfte...  

Wenn ich mir Jollos Bild im Internet auf der Finca-Seite ansehe – dann weiß ich wieder ganz genau, warum wir machen, was wir machen.

Autor: Manfred Plümer
 

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